trikots

„Seegurke. Gewebehärtung. Abwehrmassnahmen. Beginn von Tests an Primaten. Affe nach 5 Minuten tot. Genetische Modifikation nicht gelungen.“

von Morten Tailor und Hugo Kaufmann

Sommerpause und WM. Grund genug nicht zu Bloggen, obwohl es doch so einige Themen gäbe. Man könnte die 300. Auseinandersetzung mit Nationalismus und total unverkrampftem Patriotismus schreiben. In diesem Zuge wäre dann auch der Verweis angebracht, wie unglücklich die Brasilien-Flagge im Totenkopf ist, wenngleich das Shirt einem guten Zweck helfen soll. Aber eigentlich ist ja eh schon alles verloren, immerhin darf schon seit Jahren die Irland-Fahne im Totenkopf ver- und gekauft werden, obwohl auch der irische Befreiungskampf natürlich ein nationaler ist, dazu am Millerntor Union Jack und Tibet-Fahne, ohne das jemand auf die Glocke bekommt. Versteh das wer will. In der Südkurve, im ganzen Alkoholexzess des AntiRa-Turniers untergegangen, wurde im Zuge der Millerntor-Gallery die deutsche Nationalelf an der Wand verewigt. Wir wünschen ein möglichst frühes Ausscheiden.

Das alles aber war uns nicht wert, den Sommerpausenschlaf zu unterbrechen. Zur heutigen Trikotpräsentation haben wir uns, ehrlicherweise in der Hoffnung auf lecker Häppchen, aber doch bitten lassen. Wochenlang wurde ein Bohei sondergleichen gemacht. Da „Do You Football“ (endlich) weg vom Fenster ist, womit der Weg für einen neuen Ausrüster beim FC St. Pauli frei war. Ganze sieben Jahre soll Hummel den Verein umworben haben, ob aber die Kampagne ein solches Ausmaß brauchte, steht auf einem anderen Blatt. Wenn es nach der Mehrzahl der Kommentare auf der Facebook-Seite des FCSP geht, ist die Antwort klar: Nö!

Ca. 800 Leute waren auf der Präsentation und ganz ehrlich, wer wegen eines Trikots sich extra um ein kostenloses Ticket zu einer solchen Veranstaltung bemüht, also das ganze Kampagnenspiel mitspielt, der hat es auch nicht besser verdient, als gegebenenfalls enttäuscht zu werden. Wir möchten uns aber ausdrücklich erleichtert zeigen hinsichtlich des Heim- und Auswärts-Outfits der Boys in Brown. Da haben wir schon weit Schlimmeres gesehen. Das Geraffel mit den im Dunkeln leuchtenden Sternen am Kragen, gut, das erinnert an eine beliebige Punk-Kollektion bei Hennes & Mauritz, biste 16, findste das vielleicht geil, aber Kragen kann man runterklappen, nicht so schlimm.

Foto: Hummel
Foto: Hummel

Beim Pokaltrikot kommen die türkis leuchtenden Sterne weitaus stärker zur Geltung und auch das Wappen ist in der Farbe gehalten. Ein Fehlgriff, wie er zuletzt mit dem unendlich beschissenen Heavy Metal Trikot in die Welt gesetzt wurde. Glücklicherweise werden wir das Dress auch diese Saison wohl maximal zwei mal zu sehen bekommen. Wenn es denn irgendwem im Verein hilft, ein drittes Trikot zu haben, so als nähme man tatsächlich an einem bedeutenden Wettbewerb teil und schiede nicht bloß alljährlich im nationalen Pokalwettbewerb aus, bitteschön.

Die Kollektion soll vom Thema „KIEZHELDEN“ inspiriert sein und die sozialen Komponenten von Verein und Ausrüster nach außen tragen. Ein netter Gedanke, der jedoch in den zwei größten Verbrechen der jüngeren Sankt Pauli Trikot-Geschichte gemündet ist: den Torwart-Outfits. Inspiriert von den Comic-Helden Hulk und Aquaman müssen dürfen Tschauner und Co. in der nächsten Spielzeit in gewagten Farbkombinationen den Kasten hüten. Die Theorie, dass ein auffälliges Torwarttrikot die gegnerischen Stürmer dazu verleitet auf den Mann zu schießen, wurde längst Lügen gestraft und so verbleiben wir mit einer Beileidsbekundung in Richtung unserer Torhüter und einem Bass Sultan Hengzt Zitat:

Mann die 90’s sind back, Sultan Hengzt, ich bin raus

 

 

(Die Überschrift ist ein Zitat aus dem FIlm „Hulk“ von 2003)

Veröffentlicht von

Hugo Kaufmann

Geboren nahe einem Bauernhof in Norddeutschland wuchs Hugo in ländlicher Idylle auf. Von der Ruhe genervt zog er mit Anfang 20 in die weite Welt hinaus, getrieben von dem Ziel fortan an jeder etwas größeren Revolution teilzunehmen. Letztlich strandete er in Hamburg, wo der FC Sankt Pauli sein Revolutionsersatz wurde. Er glaubt weiter an das schöne Leben in der klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft, weiß aber, mit Sankt Pauli wird das nicht erreicht. Es folgte die Flucht in digitale Welten, wo er das Lichterkarussell im alkoholisierten Überschwang “erfand”. Fehlende Ahnung wird seither mit exzessivem Fremdwortgebrauch zu kaschieren versucht. Halbwegs gebildete Menschen durchschauen das natürlich sofort. Motto: “Auch wenn alle meiner Meinung sind, können alle unrecht haben.”