Draußen zu Hause

Draußen zu Hause – Teil 2

Einer der Orte, an dem Menschen auf Sankt Pauli draußen zu Hause sein konnten, war schon seit Jahren Opfer städtischer Vertreibungspolitik. Rund ein mal pro Woche, wurde den Menschen, die sich an der Simon-von-Utrecht-Straße zwischen Hamburger Berg und Talstraße am warmen Entlüftungsschacht niederließen, ihr Hab und Gut weggenommen. Dieser vermeintliche Schandfleck wurde im Frühjahr mit einem Metallkasten derart verschandelt, dass die Vorzüge dieses Platzes zerstört wurden. Das Künstlerkollektiv “We Are Visual” hat sich nun daran gemacht, diesen Missstand wieder zu beheben und zwei Betten instaliert:

zwei betten from .wav on Vimeo.

Das Entlüftungsgitter war in den letzten Jahren einer von wenigen Orten in St.Pauli, wo Obdachlose sich aufwärmen und im Winter erträglicher aufhalten konnten. Im Frühjahr wurde die Abluft so modifiziert, dass seitdem ein Aufenthalt dort unmöglich gemacht wurde.

Die Platten sind (Stand: Heute morgen) noch immer weg – die Betten leider auch.

Veröffentlicht von

Hugo Kaufmann

Geboren nahe einem Bauernhof in Norddeutschland wuchs Hugo in ländlicher Idylle auf. Von der Ruhe genervt zog er mit Anfang 20 in die weite Welt hinaus, getrieben von dem Ziel fortan an jeder etwas größeren Revolution teilzunehmen. Letztlich strandete er in Hamburg, wo der FC Sankt Pauli sein Revolutionsersatz wurde. Er glaubt weiter an das schöne Leben in der klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft, weiß aber, mit Sankt Pauli wird das nicht erreicht. Es folgte die Flucht in digitale Welten, wo er das Lichterkarussell im alkoholisierten Überschwang “erfand”. Fehlende Ahnung wird seither mit exzessivem Fremdwortgebrauch zu kaschieren versucht. Halbwegs gebildete Menschen durchschauen das natürlich sofort. Motto: “Auch wenn alle meiner Meinung sind, können alle unrecht haben.”