Gemeinsame Erklärung

Liebe St. Pauli, liebe Hansa-Gremien,

wenn am Sonnabend Hansa Rostock den FC St. Pauli empfängt, wird es auf dem Rasen und auf den Rängen hoch her gehen, sofern alle Menschen, die ein Ticket für diese Partie erworben haben, das Stadion überhaupt erreichen. Denn leider wurden die Spiele der beiden Mannschaften in den letzten Jahren von gewalttätigen Repressionsgebaren der Polizei überschattet.

Es hat sich immer häufiger gezeigt, dass diese Menschen solche Spiele nutzen, um ihre fanfeindliche(n) Ideologie(n) zum Ausdruck zu bringen. Die gesteigerte Aufmerksamkeit der Medien an dieser Partie wird dabei genutzt, um sich durch provozierte, willkürliche und gewalttätige Auseinandersetzungen mit Fußballfans zu profilieren. Deshalb fordern wir alle Fans auf, nicht wegzuschauen, sondern sich aktiv gegen diese Leute zu stellen. Denjenigen, die aus Rivalität kriegsähnliche Zustände herbei phantasieren wollen, müssen von den Clubs und den vernünftigen Fans im Stadion, die die große Mehrheit ausmachen, unmissverständlich Grenzen aufgezeigt werden.

Randale, Gewalt und Rassismus sollten stets getrennt voneinander verhandelt werden, um die gesellschaftlich reproduzierten Ausgrenzungsmechanismen des Rassismus nicht zu verwässern. Diese gilt es zu bekämpfen, im Stadion als auch in der Gesellschaft.
Lasst uns gemeinsam alles dafür tun, dass es ein spektakuläres und hochspannendes Fußballspiel wird, welches jede/r miterleben kann, um für eine tolle Atmosphäre auf den Rängen zu sorgen.

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Lichterkarussell

Frei nach „Gemeinsame Erklärung des FC St. Pauli und des FC Hansa Rostock

Postskriptum

Die Formulierungen in der Erklärung der Vereinsfunktionäre sind eine bodenlose Frechheit. Als ob sie es nicht besser wüssten, wird davon gesprochen, „dass Menschen solche Spiele nutzen, um ihre demokratiefeindlichen Ideologien zum Ausdruck zu bringen.“ Die Gremien, und das kreiden wir besonders unserem Präsidium an, begeben sich mit dieser Aussage in unangenehme Nähe des bundesweiten Trends zur „Extremismustheorie“. Antifaschistische Selbstverständlichkeiten werden hierbei mit Rassismus als „Formen des Extremismus“ gleichgesetzt – ist ja beides extrem, also schlecht. Was inhaltlich hinter der politischen Agitation steht, wird dabei gänzlich außer acht gelassen und so führt diese krude Ansicht zu einer mehr als gefährlichen Relativierung, als wären Menschenleben mit ausgebrannten Autos aufzuwiegen, als wäre eine menschenverachtende Ideologie das gleiche, wie der Kampf um lebenswerte Umstände. Über 25 Jahre der politischen Fanszene haben offenbar nicht gereicht, die elementarsten Grundverständnisse linker Gedanken in den Köpfen unserer gewählten Vereinsvertreter zu verankern.

Und wo wir gerade dabei sind unseren Clubvertretern „Rügen“ auszusprechen sei der Hinweis auf deren jüngste Unverschämtheit erlaubt: Kameras im Sonderzug? In der Logik der Quotenschacherei ist es nur allzu sinnvoll, gerade dieses Spiel zu begleiten. Dass es dabei um das Fröhliche und Positive der Fankultur gehen soll, darf bezweifelt werden. Wir hoffen, dass kein Sankt Pauli Fan Kameras in unseren Sonderzügen, auf unseren Auswärtsfahrten, in unseren Freiräumen akzeptiert! Dass wir kein Projekt unterstützen, das sich dazu eignen soll, die mediale Hetze zu befeuern und die Sau der Fußballfankultur das x-tausendste Mal durch’s Dorf zu treiben.

Unabhängig dessen, dass der Film scheinbar die Unterstützung der Vereinsvertreter erhält; was „der Verein“ mit Angelegenheiten der Fans zu tun hat steht auf einem ganz anderen Blatt und wie gering die Empathie seitens der Vereinsvertreter für Fanbelange zu sein scheint, haben sie ja mit der gemeinsamen Erklärung erneut beweisen können. Kein Mitglied der Vereinsführung kann entscheiden, was in Punkto Fanbelange unterstützenswert ist und was nicht.

Veröffentlicht von

Hugo Kaufmann

Geboren nahe einem Bauernhof in Norddeutschland wuchs Hugo in ländlicher Idylle auf. Von der Ruhe genervt zog er mit Anfang 20 in die weite Welt hinaus, getrieben von dem Ziel fortan an jeder etwas größeren Revolution teilzunehmen. Letztlich strandete er in Hamburg, wo der FC Sankt Pauli sein Revolutionsersatz wurde. Er glaubt weiter an das schöne Leben in der klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft, weiß aber, mit Sankt Pauli wird das nicht erreicht. Es folgte die Flucht in digitale Welten, wo er das Lichterkarussell im alkoholisierten Überschwang “erfand”. Fehlende Ahnung wird seither mit exzessivem Fremdwortgebrauch zu kaschieren versucht. Halbwegs gebildete Menschen durchschauen das natürlich sofort. Motto: “Auch wenn alle meiner Meinung sind, können alle unrecht haben.”