12:12 — Niederlage oder Sieg? Und wie weiter?

Was für eine Spannungskurve: erst lehnen auf Druck der Fans die meisten Bundesliga-Clubs das erste Sicherheitspapier ab. Gegen ein überarbeitetes Maßnahmenpaket entwickelt sich mit der 12:12-Aktion ein selten eindrucksvoller Protest, viel durchschlagender, als es die größten Optimisten erhofft hätten. Selbst die Mainstream-Medien schwenken überwiegend auf einen sachlich-kritischen Kurs um, fangen plötzlich an zu recherchieren. Die DFL macht erste Zugeständnisse. Am 12.12. der Showdown —zwischen 600 und 1000 Fans reisen aus ganz Deutschland an, die Clubs diskutieren Verschiebungs- und Änderungsanträge. Die Pressekonferenz mehrmals verschoben.

Und dann die Enttäuschung, die Vereine stimmen allen Punkten mit großer Mehrheit zu, nur wenige enthalten sich oder stimmen dagegen. Gefühl: ein Schlag in die Magengrube, von 100 auf 0, von Hoffnung auf Leere, teilweise aufkommender Hass aufgrund der gezeigten Ignoranz. Das waren auch meine Gefühle: Wut und die Erwartung, dass die Kurven am letzten Spieltag vor der Winterpause brennen werden. Eskalation und Kampf sind durchaus keine unattraktiven Optionen, sie kanalisieren Emotionen, mobilisieren Energien, komplexe Zusammenhänge vereinfachen sich.

Auf in den Kampf also! Aber wogegen oder wofür genau? Ohne ein klares Ziel kann kein Kampf gelingen. Wäre das alte Sicherheitspapier beschlossen worden, wäre die Lage klar. Doch mit etwas Abstand von den Ereignissen verschiebt sich das Bild dessen, was in den letzten Tagen und Wochen geschehen ist, das so einfach wirkende Gefüge hat sich deutlich verkompliziert. War der 12.12.2012 wirklich eine Niederlage, ein Sieg oder eher ein Patt? Absolut klar sollte sein, dass das Geschehen rund um das Thema „Sicherheitspapier“ nur eine Schlacht im immerwährenden Ringen darum ist, wie Fußball- und Fankultur in diesem Land gelebt und gestaltet werden kann.

Was spricht also für einen Erfolg, was für eine Niederlage? An positiven Punkten gibt es jedenfalls einiges:

  • Das Sicherheitspapier wurde deutlich entschärft. Viele Punkte finden sich in den jetzt beschlossenen Maßnahmen nicht mehr, z. B. die angestrebte Verlängerung der Dauer von Stadionverboten. Verwiesen sei auf die Übersicht der beschlossenen Anträge und die Stellungnahme der Eintracht. Dabei ist mir das Eintracht-Papier etwas zu unkritisch, aber in der Tendenz sind die Aussagen nicht falsch.
  • Es hat sich herausgestellt, dass es möglich ist, zumindest bestimmte Protestformen in alle Stadien der Bundesligen zu tragen. Die Geschlossenheit hat die — auch von mir mit großer Skepsis betrachtete — Protestform zu einer guten Waffe gemacht, die auch weitreichendes Medienecho findet. Sie war taktisch geschickt, da sich hier nicht über Tonalität beschwert werden konnte, es wurde das Risiko von Demos umgangen, zu denen sich gerade bei schlechtem Wetter doch nur eine kleine Minderheit aufraffen kann und die Leute, die sonst eh meistens schweigen, waren automatisch Teil des Protests.
  • Die Mainstream-Medien haben sich zu einem guten Teil endlich mit den zugrundeliegenden Fakten beschäftigt, statt nur die Propaganda von Polizei-Gewerkschaften, Innenministern und Fußball-Verbänden nachzuplappern. Fan-Themen und das Verhalten der verschiedenen Parteien wurde plötzlich deutlich kritischer analysiert und dargestellt. Die Aufmerksamkeit und der Stellenwert, den Fanthemen in vielen Medien erreichten, war zuvor fast undenkbar und kann die Basis für eine weitere effektive Kommunikation von Fanseite werden.
  • Die Glaubwürdigkeit von Polizeigewerkschaften, polizeilichen Einrichtungen wie der ZIS und einiger Innenpolitiker wurde erschüttert.

Was war negativ? Welche Verluste gibt es zu beklagen?

  • Letztlich weitestgehend außerhalb des direkten Einflusses der Fans war das Duckmäusertum der Verbände und Vereine gegenüber der Politik. Anstatt ihre Macht zu nutzen und die populistische, mit Falschdarstellungen gespickte Propaganda klar zurückzuweisen, wurde sich auch weiter dahinter versteckt. Auch die Zustimmung der Vereine zu in der Sache eher harmlosen Punkten kann als Eingeständnis gewertet werden, dass die Forderungen aus der Politik und seitens der Polizeigewerkschaften einen wahren Kern haben und die Erwartung wecken, dass man den Fußball auch weiterhin für noch so blödsinnige Kampagnen missbrauchen kann. Die Feststellung auf der Pressekonferenz, dass damit Handlungsfähigkeit bewiesen worden sei und der Fußball nun sicher vor weiterer versuchter Einflussnahme aus der Politik, klingt ähnlich weltfremd, wie die Erwartung, dass man einem Schulhof-Bully durch Eingehen auf dessen Erpressung dazu bringen kann, einen in Zukunft in Ruhe zu lassen.
  • Dass einigen Anträgen zugestimmt worden würde, war klar. Die meisten Punkte haben einen fast ausschließlich administrativen Charakter oder sind sogar positiv, diese hätte man  sowohl aus sachlicher Sicht, als auch zur Wahrung des Gesichts beschließen können, aber gleichzeitig drei bis vier der problematischeren vertagen bzw. an Kommissionen verweisen. Dass dies nicht geschehen ist, war ein Zeichen der Missachtung der Fans. Man hat hier die Gelegenheit versäumt, wieder einen substanziellen Schritt auf diese zuzugehen und in einen echten und ernsthaften Dialog einzusteigen. Die Fanseite hat also durch eine Demonstration der Macht erreicht, einige Punkte zu verhindern oder zu entschärfen, nicht jedoch den Respekt zu erlangen, der für produktive, mitgestaltende Gespräche nötig ist.
  • Die beschlossenen Punkte sind wie bereits ausgeführt unmittelbar nicht übermäßig dramatisch. Die eher negativen Punkte waren oft schon mehr oder weniger gängige Praxis, tlw. handelt es sich um Klarstellungen. Sehr kritisch kann man die festgeschriebene, weiter ausgebaute Kameraüberwachung sehen. Ansonsten handelt es sich um besonders viele Kann-Bestimmungen. Und da liegt ein Problem: es sind durchaus mittelbare Folgen zu befürchten. Methoden der Vereine, die bisher nur schwammig begründbar waren, können in Zukunft ausgeweitet werden, da man einfach auf die Regelungen verweisen kann. Das ist besonders gefährlich im Zusammenhang mit dem weitestgehend willkürlichen Gerichtswesen des DFB. Wenn festgelegt ist, mit welchen Maßnahmen ein Club mit sicherheitskritischen Situationen umgehen kann, diese aber nicht voll ausschöpft, so kann das leicht als strafverschärfende Unterlassung interpretiert werden. Ein bedenkliches Szenario, bedenkt man, dass gerade erst Dynamo Dresden zu einer recht harten Strafe (Ausschluss vom DFB-Pokal in der kommenden Saison) verurteilt wurde, obwohl das DFB-Sportgericht zur Einschätzung kam, dass Dynamo eigentlich keinerlei Fehler anzulasten sind, sich sogar in Teilbereichen besonders gut verhalten hat.

Das Ergebnis ist somit gemischt. Gemessen an dem, was Fans sonst erreicht haben, tendiere ich in der Summe dazu, es als einen Erfolg zu werten. In der Sache ist eine leichte Verschlechterung eingetreten, aber einige Inhalte konnten verhindert werden, es wurden grundsätzliche Debatten angestoßen und in die Mainstream-Medien getragen, die zunehmend besser zuhören. Um bei den Kriegsmetaphern zu bleiben: die Gegenseite hat einen Geländegewinn erzielt, den aber mit Verlusten und Einbußen strategischer Optionen bezahlt.

Die Fanszene in Deutschland hat sich mithin eine bessere langfristige Perspektive erkämpft. Um diesen Vorteil auch in einen tatsächlichen Erfolg zu verwandeln, muss man diese Vorlage aber auch zu nutzen wissen. Und hier landen wir wieder bei der oben aufgeführten Fragestellung: was ist überhaupt das Ziel weiterer Proteste und Initiativen?

Ein Beharren auf der Rücknahme der Beschlüsse des 12.12. würde in jedem Fall viel zu kurz greifen. Diese sind fast alle entweder nicht angreifbar, da relativ problemfrei oder als so schwammige Kann-Bestimmung formuliert, dass sie wenig Angriffsfläche bieten. Die Gefährlichkeit dieser Punkte liegt nicht unmittelbar in ihren Worten, sondern in der Anwendung durch die Vereine. Und da wird zunächst wenig passieren, zumindest wenn die Clubs halbwegs intelligent damit umgehen. Der Prozess wird eher schleichend sein, hier mal eine Verringerung des Auswärtskontingents, da mal ein Durchsuchungszelt, bei dem natürlich erst mal nur die Jacke ausgezogen und die Taschen geleert werden müssen. Derartig langsam und verteilt ablaufende Änderungen sind kaum wirksam bekämpfbar.

Zudem ist es keinesfalls so, dass vor dem 12.12. alles super gewesen wäre. Die Kampagne für sogenannte „Sicherheit“ und die in der Folge getroffenen Entscheidungen waren eher der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Eine steigende Repression und schleichende Entrechtung von Fußballfans ist schon viel länger zu beobachten. Dabei konnten die meisten Methoden ohne Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit und v.a. ohne wirksame Erfolgskontrolle eingesetzt werden. Und die sogenannte „Sportgerichtsbarkeit“ war und ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, darüber hatte ich mich schon in einem älteren Beitrag  ausgelassen. Es ist also elementar wichtig, dass man sich weg von der defensiven Reaktion auf weitere Verschlechterungen hin zu einer aktiven Aktion für die Erreichung der eigenen Ziele bewegt.

Welches sind nun die Kriterien, die ein von der Fanszene zu erkämpfendes Ziel erfüllen muss? Meiner Einschätzung nach sind dies die wesentlichen Punkte:

  • Es müssen nicht nur die aktuell hochgekochten Punkte, sondern auch und gerade die bereits bestehenden Probleme adressiert werden. Gleichzeitig darf der Katalog an Forderungen nicht zu umfangreich werden.
  • Es muss eine Reihe von Maßnahmen gefordert werden, die sich möglichst klar beschreiben lassen. Nur bei einem wohldefinierten Ziel lässt sich ein Erfolg konkret erreichen und damit auch messen. Diese Klarheit fehlt derzeit zumindest mir völlig. Wogegen genau wird jetzt weiter protestiert?
  • Die Maßnahmen müssen gut kommunizierbar sein und eine möglichst große Unterstützung unter den Fans, potentiell aber auch in der Bevölkerung allgemein genießen. Aktuell fokussiert sich viel zu viel auf das Thema Pyrotechnik, das unter all den sonstigen Repressionen und Einschränkungen eigentlich nur einen Randaspekt darstellt. Völlig unverhältnismäßige Stadionverbote, Materialverbote, Betretungsverbote für ganze Städte, lächerlich späte Terminierung von Spielen usw. usf. sind mir jedenfalls wichtiger, als unter hochkomplexen Bedingungen und nach umständlichen Genehmigungsprozeduren ein paar Pyros abbrennen zu können. Das ist eher ein langfristiges Ziel, das sich teilweise aus anderen Änderungen implizit ergeben könnte.
  • Von besonderem Interesse sind Forderungen, die kongruent zu den Interessen der Vereine sind. Mit deren offener und verdeckter Unterstützung lässt sich viel mehr erreichen, schließlich bilden sie den Ligaverband, während Fans nur von außen wirken können. Beispiele sind hier eine Überarbeitung der Sportgerichtsbarkeit und die Terminierung der Spieltage. Letztere sind auch für die Vereine aus wirtschaftlicher Sicht höchst problematisch. Die meisten Clubs verfügen inzwischen über moderne Stadien mit umfangreichen Hospitality-Räumlichkeiten, die gute Profite abwerfen könnten — wüsste man denn, wann sie überhaupt verfügbar sind. Auch hinsichtlich fußballfremder Großveranstaltungen ist dies relevant, siehe z. B. der HSV und die dort ausgerichtete Boxveranstaltung.

Um langfristig Fußball- und Fankultur mit all ihren Facetten besser ausleben können, als es heute der Fall ist, sollte daher nicht formuliert werden, wogegen man ist, sondern was man erreichen will. Wie sieht die Fußballwelt aus, in der wir uns ausleben und dabei sicher und respektiert fühlen können? Das muss die Vision sein, die man mit einer Auswahl an konkreten Forderungen hinterlegt und für die man dann auch offensiv eintreten kann, gegenüber Clubs, Verbänden und Politikern, aber auch im Umgang mit der Presse. An dieser Stelle kann und soll ein solcher Forderungskatalog nicht aufgestellt werden, das kann keine einzelne Person seriös leisten, aber trotzdem ein paar Beispiele, nicht voll ausformuliert und ohne bestimmte Reihenfolge:

  • Beschränkung der Sportgerichtsbarkeit auf Vorfälle im oder direkt am Stadion, keine Sanktionierung von Verstößen, die ein Verein auch bei Einhaltung der Regularien nicht verhindern konnte.
  • Bundesweite Stadionverbote nur für Vorfälle im oder direkt am Stadion in einem Spiel eines regulären Liga- oder Pokalwettbewerbs und nur für strafrechtlich geahndete Vorfälle.
  • Deutlich frühere Terminierung der Spiele, zumindest für die Vereine, die nicht (mehr) in internationalen Wettbewerben stehen.
  • Die Erlaubnis, die Freiheit, etwas zu tun oder zu lassen, muss immer der Normalfall sein. Jede Einschränkung und Kontrolle ist zu begründen und die Auswirkungen zu beobachten. Unwirksame oder unverhältnismäßige Maßnahmen sind aufzuheben oder passend zu ändern.
  • Gewährleistung der Meinungsfreiheit im Rahmen der geltenden Gesetze auch innerhalb des Stadions.
  • Materialverbote nur in extremen Ausnahmefällen und unter Nachweis der Verhältnismäßigkeit. Beispiel: Verbote von Trommeln und Megaphonen sind eigentlich immer ausschließlich Schikane, man kann damit weder etwas verdecken, noch angreifen.
  • Eine von den Verbänden bezahlte, unabhängige Beobachtung und wissenschaftliche Begleitung der Spieltage.
  • Eindeutige, anonymisierte Kennzeichnung aller im Rahmen eines Fußballspiels eingesetzter Sicherheitskräfte, einschließlich der Polizei.

Wir haben die Chance, etwas zu erreichen und den Status Quo zu ändern. Die sollte man nicht liegen lassen. Es steckt genügend Potential in der Fankultur in Deutschland. Unsere größten Feinde sind fehlender Mut und mangelnde Organisation, nur eigene Schwäche könnte uns dauerhaft aufhalten.

Veröffentlicht von

Tom Machir

Die Welt lag düster und kahl, doch dann war Tom “ganz plötzlich da”. Scheint so was wie seine Marotte zu sein, denn gebloggt hat er zuvor noch nie. Er ist jetzt einfach da. Als geborener Hamburger war, ist und bleibt die Stadt an Alster, Elbe und Bill seine Heimat, doch immer wieder zieht es ihn in die Welt hinaus. Schließlich zählt für ihn nicht die Herkunft, sondern das Sein, das Verstehen und die Propaganda der Tat. Und natürlich Fleisch, geistige Getränke und der magische FC. Motto: “I only drink on two occasions—when I’m thirsty and when I’m not”

  • Pingback: Faninterne Zerreissprobe in allen Stadien – sowie #FCSP Nullnummer in Ingolstadt « KleinerTods FC St. Pauli Blog()

  • Stefan

    Hallo & vielen Dank für den interessanten Beitrag, Tom.
    Ich denke allerdings, dass die realistische Chance etwas zu ändern, nur (noch) bilateral besteht, d. h. in den Verhandlungen zwischen dem Heimatverein (also bei Euch St. Pauli) und seinen Fans…und zwar je nachdem, wie stark oder einflussreich die individuelle Fanbasis ist. Ob leztere mit der Ultraseite gleichzusetzen ist, weiss ich nicht. Insgesamt aber teile ich die Meinung, dass „nur eigene Schäche“ die Fans (vielleicht meint das jetzt die Ultras) dauerhaft aufhalten kann nicht. Denn eines hat die Reaktion der Fans (vielleicht meint das jetzt die Zuschauer) am WE doch gezeigt:
    Es gibt – wie immer man das jetzt findet – eine klare (90%) Mehrheit für die neue Bestimmungen unter den Vereinen (der DFL) und – und das ist die Krux! – auch bei der deutlichen Mehrheit der Stadionsbesucher (Vgl. http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/fussball-und-fans-die-einigkeit-der-fans-ist-dahin-11995974.html, FAZ 17/12/2012).
    Das Fazit ist m. E., dass „12:12“ vorbei ist – wie gesagt, unabhängig davon, wie man dazu steht (damit man hier meinen Kommentar nicht falsch versteht). Um etwas zu ändern benötigt man Mehrheiten. Und diese Unterstützung haben die Ultras und „12:12“ nicht mehr.

  • http://www.sicherheitspolitik-blog.de/2012/12/11/risikoort-fusballstadion-wie-sich-die-dfl-am-mittwoch-entscheiden-wird/gl. Stefan Engert

    Eines hat die Reaktion der Zuschauer (=Fans?) am Wochenende m. E. doch klar gezeigt: “12:12″ bzw. die Ultras haben keine Mehrheit – wie immer man auch zu dem Thema neue Sicherheitsbestimmungen bzw. sicheres Stadionerlebnis individuell steht.
    Die Vereine haben alle(!) Beschlüsse mit überwältigender Mehrheit durchgewunken und die Mehrheit der Stadionbesucher – das scheint mir ein ganz guter, vermeintlich „neutraler“ Begriff – hat die noch vorhandenen Proteste nicht (mehr passiv) unterstützt. Das heißt nicht, dass sich nun „die wahren Fußballfans zu Wort gemeldet haben“ (wie Harald Strutz in der FAZ sagt, s. u.) -diese 0/1-Deutungshierarchien sind unsäglich – ,aber “12:12″ ist Geschichte bzw. wird nur noch bei individuellen Vereinen mit starker Fanbasis zu einem konkreten Aus- bzw. Nachverhandeln der lokalen Sicherheitsbestimmungen führen. Dieser interne Dialog ist sinnvoll, wird aber keiner Fanbasis auswärts viel nutzen, da hier evtl. andere Regeln vom gastgebenden Verein gesetzt oder ausgehandelt wurden. Um in einer Demokratie etwas zu ändern, benötigt man Mehrheiten – aber diese Mehrheiten sind nicht mehr da bzw. vielleicht waren sie auch so nie vorhanden.

    Quellenangabe:
    Faz 17. Dez. 2012 http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/fussball-und-fans-die-einigkeit-der-fans-ist-dahin-11995974.html

  • Pingback: Links #29 « Es lebe das Laster!()

  • Tom Machir

    Danke für die Kommentare. Zunächst zur Frage Ultra/“sonstige Fans“: ich unterscheide da nicht. Ich bin selbst kein Ultra, sehe das aber eher als Frage des persönlichen Styles, als des Engagements. Ist vielleicht bei St. Pauli ein bisschen ausgeprägter als bei anderen Vereinen, daß auch manche Nicht-Ultras sehr aktiv sind.

    Völlige Übereinstimmung beim Thema, daß man innerhalb der Vereine aktiv werden muss, daher auch das Kriterium „Übereinstimmung mit den Interessen des Vereins“, wobei ich die klassische Trennung in Verein und Fans für etwas veraltet halte, dafür sind inzwischen zu viele Fans auch Mitglieder ihrer Vereine und prägen dort das Vereinsleben auch wesentlich. Die Zustimmung der Vereine zu den Punkten ist wie ebenfalls tlw. ausgeführt in der Sache nicht übermäßig dramatisch, auch wenn es ärgerlich ist, daß den Fans nicht wenigstens der eine oder andere Punkt durch Vertagung als kleiner Erfolg gegönnt war. Kritisch ist eben die Wirkung im Alltag und da benötigen wir jetzt andere Ansätze, als bei der Kampagne gegen das Sicherheitspapier.

    Mehrheiten innerhalb einer Fanszene zu definieren und zu erkennen ist alles andere als trivial, dafür sind die zu heterogen zusammengesetzt und die einzelnen Fans unterschiedlich in der Stärke ihrer Wirkung. Zu diesem Themenkomplex wird es aber noch einen weiteren Beitrag geben, so stay tuned. 😉