Geschenkübergabe

Schreddern und Vergehen

Foto: Audiolith

Während man gestern abend zu lesen bekam, dass Uwe Mundlos eventuell mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete, was kaum mehr schocken kann, ist doch das einstmals eventuell vorhandene, zarte Restvertrauen in gerade diese Institutionen nach wieviel geschredderten Akten (?) ohnehin lange aufgebraucht, machten sich heute andere Leute auf den Weg zum Mecklenburg-Vorpommerschen Innenministerium, um deren Landesamt für Verfassungsschutz zu danken.

Die gefährlichste Band der Welt Mecklenburg-Vorpommerns war bis vor kurzem „nur ausgewiesenen Szenekennern ein Begriff“, wie das neue Label der Band zu verstehen gibt. Bescheiden erkennt man auf Seiten des Labels, dass der Erfolg des neuen Albums „Scheitern und Verstehen“, sowie der Single Auskopplung „Komplett im Arsch“ nicht etwa auf die Promoaktivitäten des Labels zurückzuführen ist, sondern:

Die Props für die Promo gehen dieses Mal ganz alleine an das Landesamt für Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern! Die 85 Herren und Damen vom VS haben uns einen großen Dienst erwiesen.

Entsprechend hat man als Dankesgeste der Behörde ein „einen herrlichen Präsentkorb von real aus dem Schlossparkcenter – mit Leberwurst, Filterkaffee, grünen Bohnen und anderen Leckereien“ vorbeigebracht. Da hüpft das Herz des deutschen Durchschnittsbeamten. Band und Label hoffen, dass das Präsent „komplett und ungeschreddert beim Verfassungsschutz ankommt.“ Das hoffen wir auch. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass sich die mit dem Schutz der Verfassung befassten Landesbeamten die schmackhaften Dinge nicht zu den Klängen von Frei.Wild reinziehen, sondern sich die weiteren Dreingaben auch zu Gemüte führen:

Um dem ganzen noch eine persönliche Note zu geben, haben wir noch die aktuelle Ausgabe des Antifaschistischen Infoblattes (Titel: V-Leute und Aktenvernichter), das Hit-Album „Scheitern und Verstehen“ und eine schöne Dankeskarte mit einer Giraffe drauf beigefügt.

Veröffentlicht von

Hugo Kaufmann

Geboren nahe einem Bauernhof in Norddeutschland wuchs Hugo in ländlicher Idylle auf. Von der Ruhe genervt zog er mit Anfang 20 in die weite Welt hinaus, getrieben von dem Ziel fortan an jeder etwas größeren Revolution teilzunehmen. Letztlich strandete er in Hamburg, wo der FC Sankt Pauli sein Revolutionsersatz wurde. Er glaubt weiter an das schöne Leben in der klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft, weiß aber, mit Sankt Pauli wird das nicht erreicht. Es folgte die Flucht in digitale Welten, wo er das Lichterkarussell im alkoholisierten Überschwang “erfand”. Fehlende Ahnung wird seither mit exzessivem Fremdwortgebrauch zu kaschieren versucht. Halbwegs gebildete Menschen durchschauen das natürlich sofort. Motto: “Auch wenn alle meiner Meinung sind, können alle unrecht haben.”