Koan Neuer

Schubidu: André Schubert - Darf Cheftrainer beim FC St. Pauli bleiben

„Na, damit habta nich‘ gerechnet, wa?!“ (Andre Schubert, 07.05.2012)

Nee, nicht wirklich. André Schubert nach eigener Aussage jedoch auch nicht und so wirkte er sichtlich gelöst hinter den vielen Mikrophonen auf der Pressekonferenz am heutigen Nachmittag, auf der Präsident Stefan Orth in gewohnt unsouveräner Manier den Verbleib des Cheftrainers verkündete. Zuvor war in diversen Medien kolportiert worden, es sei längst eine Entscheidung gegen den Stanislawski-Nachfolger gefallen. Die Gründe dafür lägen nicht im sportlichen Bereich, sondern auf der zwischenmenschlichen Ebene.

In der Tat funkten im Laufe der Saison diverse Details zu Schuberts Umgang mit seinen Spielern und Kollegen es aus den Büschen und das Pfeiffen diverser Spatzen auf Dächern war nicht zu überhören. Es hieß der Schubert sei ein unangenehmer Zeitgenosse, zwischen ihm und der Mannschaft stimme es nicht. Auch bei denen, die eigentlich nichts mit ihm zu tun hatten, war sein Bild nicht immer das beste. Das kann nicht so recht verwundern, schaffte er es doch sich beispielsweise in Bezug auf Fanthemen noch ungeschickter durch den Mikrophon-Dschungel zu stümpern, als sein direkter Vorgesetzter.

Moritz Lichte, Matthias Hain
Dürfen auch bleiben: Tingletangle Bob und Hain

Nur hat Schubert all das ja bereits vergangene Woche auf einer Pressekonferenz selbstkritisch eingestanden und teilweise Besserung gelobt. Die ausbleibende Positionierung der Vereinsoberen war dann das Öl im Feuer der Spekulationen um die Zukunft unseres Cheftrainers. Eigentlich darf eine Vereinsführung so etwas nicht zulassen, doch was wäre die Alternative gewesen? Offensichtlich war sich unsere Führungsetage nicht sicher über das weitere Vorgehen und es werden wieder ein mal die Probleme eines ehrenamtlichen Präsidiums deutlich. So wäre nur etwas zu sagen gewesen, wie:  „Danke für deine Darstellung, Andre. Wir sitzen ja nächste Woche zusammen, und dann werden wir schon sehen, ob wir noch Verwendung für dich haben, oder nicht.“ Dass daraus nichts besseres gemacht worden wäre, als aus dem Schweigen beim Präsidium, dürfte klar sein. Wie man es dreht und wendet, die Position Schuberts schien deutlich umstritten gewesen zu sein, auf Seiten der Vereinsführung war man sich nicht einig und die Presse lag mit ihren Mutmaßungen (oder Informationen) so falsch nicht. Am Ende kam es eben doch anders, was ja durchaus bemerkenswert ist und in gewisser Weise auch für den FC St. Pauli spricht, nur wirklich gut aussehend geht aus diesem Kammerspiel keiner der Akteure.

Helmut Schulte

Offen bleibt die Frage, wer intern welche Rolle gespielt hat. Rollo Fuhrmann schien in Helmut Schulte einen bedeutsamen Protagonisten gefunden haben zu wollen. Er fragte auf der Pressekonferenz mehrfach nach dem im Vorfeld angekündigten aber letztlich nicht anwesenden Sportchef. Die Informationen, die er diesbezüglich bekam, waren jedoch relativ dünn. Es sei ein Fehler von Christian Bönig gewesen hieß es. Außerdem ließ Orth durchschimmern, dass es auch mit Schulte noch ein Analysegespräch geben soll. Das nun bietet Raum für Spekulationen, stand doch Schulte schon vor gut einem Jahr erheblich in der Kritik, wegen zwischenmenschlichen Faktoren.

Einige verfallen jetzt in nahezu verschwörungsideologische Theorien über Machtspiele und kommen zu Konstruktionen, in denen Stefan Orth Richter über einen fiesen Streit zwischen Schulte und Schubert war und mit dem Verbleib Schuberts und dem angekündigten Gesprächs zwischen dem Präsidium und dem Sportchef ein deutliches Zeichen gegen Helmut Schulte gesprochen haben solle. Andere wiederum behaupten Schulte sei einer der wenigen Fürsprecher Schuberts im Verein gewesen. Unlogisch scheint das nicht, Kritik an mangelnden sozialen Fertigkeiten und am Führungsstil Schuberts stünde Schulte nun wirklich nicht gut zu Gesicht, wo das ja alles andere als seine persönlichen Eigenschafts-Steckenpferde zu sein scheinen.

Doch auch wenn derartige Überlegungen:

Nur wenn man den beiden wichtigsten Figuren des sportlichen Bereichs innerhalb von einem Jahr teilweise massive zwischenmenschliche Mängel attestiert, aber gleichzeitig ständig deren fachliche Kompetenz betont, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man sich zwei solcher Softskill-Baustellen langfristig erlauben kann. (User „Grande Jano“ im Forum)

alles andere als unzulässig sind, und nach den letzten Tagen und besonders der heutigen Pressekonferenz beide Positionen gewissermaßen angekratzt sind, halte ich es für überhaupt nicht zielführend, nun, da der Trainer bleibt, eine andere Kündigung zu erhoffen, zu erwarten oder gar zu fordern. Ich gehe davon aus, dass wir mit unserem Funktionsteam so in die nächste Saison starten.

Eine ruhige Sommerpause wird es wohl trotzdem nicht geben, aber das sind andere Baustellen.