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Bier > Scheiße

Bier war ist und bleibt besser als Scheiße! Ist so!

Es gibt Tage, da will einfach gar nichts klappen und es gibt Menschen die stecken dann den Kopf in den Sand. Der erste Samstag im März 2011 war aus sportlicher Sicht so ein Tag, wenn nicht noch etwas schlimmer. Ich hätte auch mit ein paar Freunden die weißen Oldschoolhemden unserer “Boys in Brown” überstreifen und im Strafraum liegend, sowohl kiffend, als auch Bier trinkend, die ersten etwas wärmeren Sonnenstrahlen des aufkommenden Frühlings genießen können, das Ergebnis wäre wahrscheinlich kein großartig anderes gewesen. Doch aus vertraglichen Gründen, hatte Stani meine Freunde und mich nicht gefragt und das was vom Kader übrig blieb auf den Platz gestellt. Zambrano hielt den gepflegten Nürnberger Rasen eine Minute aus und fällt jetzt für den Rest der Saison aus. Was das für unsere Abwehr bedeutet dürfte eigentlich klar sein: wieder muss sich an eine neue Formation gewöhnt werden und das Back-Up für die letzten etatmäßigen Abwehr-Recken unserer Liga-Mannschaft ist dünner als Pergament. Jeder noch so optimistische Optimist wird langsam aber sicher in die Situation kommen, in der sich seine Sicht zunehmend verdunkelt bis er, wie jeder “normale” Pessimist knackig finsteres Schwarz sieht, was den Verbleib in der Eliteklasse des hiesigen Profifußballs anbelangt.

Mir geht es da ähnlich und mir ging es auch am Samstag so, und dennoch fühlte ich mich vom Wetter, im Gegensatz zu Lehmann und Co., aus dem Winterschlaf gerissen und sprühte vor Freude und Energie. Und ganz ehrlich, wenn es nach ca. 16 Minuten 3:0 für Nürnberg steht, was gleichbedeutend mit “Kannst abpfeifen” ist, dann hat man als Fußballanhänger die Wahl, zwischen mehreren möglichen Verhaltensweisen. Die am nächsten liegende ist wohl, die Arme zu verschränken, die Mundwinkel gen Betonstufen zu ziehen, eine Fluppe nach der anderen zu dampfen und das Ganze, so die Kraft noch gegeben ist, durch Meckern und Fluchen in seiner Aussagekraft zu unterstreichen.

In etwas “erlebnisorientierteren” und Konsequenzen ignorierenden Fanschichten/Fanszenen mag auch die gepflegte Randale im Block oder im ganzen Stadion eine gute Alternative sein, den Nachmittag auszugestalten. Das ganze gekrönt mit einem Spielabbruch, da gibt es wenigstens bei Ultras.ws ordentlich Gesprächsstoff und vermeintliche Augenzeugenberichte.

Beide oben genannten Möglichkeiten waren für mich keine wirkliche Option, ersteres, weil die Sonne mich gerade den nervigen Busfahrer hatte vergessen lassen und es immerhin der erste Tag seit 3 Monaten war, an dem ich Temperaturen über 3°C gepaart mit strahlend blauem Himmel erlebt hatte. Auf die zweite mögliche Verhaltensmaxime hatte ich einfach nur keine Lust. Na gut, vielleicht spielten auch mögliche Konsequenzen, mangelnde Rückendeckung der anderen Fans und der dringende Wunsch in der Nacht wieder in Hamburg zu sein eine Rolle, aber das sind ja auch gute Gründe.

So blieb mir, und vielen anderen, denen es offenbar ähnlich ging, das frenetische Abfeiern unserer Götter, wie sie in ihren weißen Gewändern, blind wie Ödipus, Justitia oder (passender Weise) unser aller Idol “Pauli” über das Grün stolperten und dabei zuhörten (sehen ging ja offenbar nicht) wie Nürnberg sie dekonstruierte und wir ihnen entgegen der Realität etwas davon erzählten sie gewännen ohnehin. Ironie (manch einer mag auch Galgenhumor sagen) kann so schön und melodisch sein und Spaß machen. Sehr zu empfehlen. Viel zu oft, sind ganze Wochen im Arsch wegen Fußball. Ich hab seit 1. März offiziell den Frühling ausgerufen, da ist keine Zeit für Depressionen mehr. 😀

Wer dabei aber nicht mitmachen wollte, hat dennoch mein größtes Verständnis, und es wirkt offen gestanden auch etwas “gaga”, wenn ein Block beim dritten Gegentor anfängt komplett auszurasten und richtig guten Support abzuliefern. Obendrein stecken wir tatsächlich wieder mitten drin im Abstiegskampf und mit Stuttgart und Frankfurt sind unsere nächsten beiden Gegner sowohl direkte Konkurrenten, als auch nicht zu unterschätzen.

Hoffen wir mit unserem Patchworkteam die Kehrtwende zu schaffen, sonst dürfen wir nächste Saison wieder an die Ostsee zum lustigen Spiel “Kogge versenken”. Nur mit der Leistung von Samstag wird das nichts … und dann geht’s irgendwann wieder nach Meppen und Wuppertal … UAAAHHH!!!!

Fazit 1: AUFWACHEN!!!
Fazit 2: Manchmal hat es keinen Sinn sich die Laune verhageln zu lassen, es wird dadurch nicht besser. Bin aber trotzdem weiterhin für emotionales Mitgefiebere und das schließt auch Raunen bei Scheiß-Aktionen der eigenen Mannschaft ein.
Fazit 3: Das Bier im Biergarten vor dem Stadion war lecker und ist zu empfehlen.